Einleitung
Auch wenn Übergewicht und Adipositas in erster Linie ein Problem der Körperkomposition sind, ist es unerlässlich, in der Prävention und Therapie des Übergewichts nicht allein die Gewichtsreduktion, sondern auch die metabolische Fitness im Auge zu haben. Dies macht auch den Einsatz von körperlicher Aktivität und Bewegung sinnvoll, da Übergewichte meist nicht nur ein Fitnessproblem besitzen, sondern auch Defizite in ihrer muskulären und metabolischen Kompetenz aufweisen (5,7,12). Denn die krankmachende Wirkung eines ungesunden Lebensstils zeigt sich besonders deutlich bei gleichzeitiger Ausprägung von Übergewicht und Bewegungsmangel (8). So war bei einer Untersuchung von annähernd 17.000 Personen mit moderater Adipositas (BMI 30-34.9) im Vergleich zu Normalgewichtigen (BMI 18.5-24.9) die Prävalenz des T2DM bereits verfünffacht, der Hypertonie mehr als verdoppelt und der Dyslipoproteinämie um mehr als 30 % erhöht (25). Ein vorrangiges Gesundheitsziel muss demnach sein, normalgewichtig und metabolisch gesund zu bleiben. Und hierzu müssen wir uns mehr bewegen – auch wenn uns dies schwer fällt.
Leider sinkt aber bereits mit dem 30. Lebensjahr das Ausmaß der Freizeitaktivität ebenso stark ab, wie die Prävalenz des Übergewichts ansteigt. Unter Berücksichtigung der Aktivitätsempfehlungen in der Prävention chronisch-degenerativer Erkrankungen erreichen die Empfehlungen für einen Gesunderhaltenden Sport nach dem 30. Lebensjahr in West- wie Ostdeutschland weniger als 20 % unserer Bevölkerung (24). Dies ist umso enttäuschender, da in den vergangenen Jahren große kontrollierte Studien die positiven Effekte des Lebensstils in der Prävention von Herzkreislauf- und Stoffwechselerkrankungen eindrucksvoll aufgezeigt haben. Aktuelle Metaanalysen haben dabei auch die Bedeutung der Mehraktivität als Interventionsgröße in der Therapie des metabolischen Syndroms wie auch des manifesten Diabetes mellitus Typ-2 (T2DM) belegt. Zu Recht verweisen die aktuellen Empfehlungen nationaler wie internationaler Fachgesellschaften zur Lebensstilintervention nicht nur auf eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten, sondern auch auf die Propagierung eines gesteigerten Aktivitätsniveaus (2,9).
Unzweifelhaft sind Sport und Bewegung Stellgrößen für die metabolische Flexibilität. Zum vordergründigen kalorischen Effekt kommen also noch wichtige metabolische Effekte hinzu. Welche Vorteile damit die Mehraktivität neben der Reduzierung des Körpergewichts mit sich bringt und über welche Anpassungen diese Vorteile erklärt werden können, soll in der folgenden Übersicht vermittelt werden.
Schlussfolgerung
Körperliche Aktivität und Freizeitsport sind mehr als nur ein „Fettburner“ und lassen sich in ihrer gesundheitlichen Wirkung über den energetischen Umsatz von Kalorien allein nicht ausreichend beschreiben (5,13,30,38). Zwar ist über den erreichten Sauerstoffmehrverbrauch nach dem Prinzip von Intensität und Dauer der körperlichen Aktivität die Kalkulation des Kalorienumsatzes jeder Zeit zuverlässig möglich, doch wird die Betrachtung der Energiebilanz der komplexen Wirkung der körperlichen Aktivität im Gesamtorganismus nicht gerecht. Trotz vergleichbarer physikalischer Einflussnahme auf die Energiebilanz haben Energiemehrverbrauch durch gezielte körperliche Aktivität und die reduzierte Energieaufnahme durch Nahrungsrestriktion unterschiedliche Wirkansätze. Gerade deshalb sind sie voneinander unabhängige, aber integrale Bestandteile einer erfolgreichen Gewichtsintervention.




