Übergewicht - Verbreitung und Enstehung

Spätestens seit der KIGGS-Studie weiß man in Deutschland um das Problem des Übergewichts in allen Bevölkerungskreisen. Doch mit Veröffentlichung der Ergebnisse steht fest, dass zu viele Kinder durch unausgewogene Ernährung und zu wenig Bewegung übergewichtig oder sogar adipös sind.

Die Anzahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen hatte sich von 1985 bis 1999 um 50 Prozent erhöht und die Zahl der adipösen Kinder und Jugendlichen verdoppelt. Hinzu kommt, dass die übergewichtigen Kinder immer schwerer werden. Zwar scheint der Trend zumindest gebrochen, wie die Arbeitsgruppe von Prof. Martin Wabitsch von der Universitätskinderklinik in Ulm nach Sichtung der Untersuchungsergebnisse von mehr als 600.000 Einschülern aus allen Bundesländern festgestellt hat. Die Auswertung kommt zu dem Ergebnis, dass nahezu alle Bundesländer einen leichten Rückgang der Prävalenzzahlen für Übergewicht und Adipositas bei Einschülern verzeichnen können. Aber es gelten immer noch 11,9 % der Schulanfänger in Bremen und Thüringen als übergewichtig, und im Saarland wird 5,4 % der Einschüler gar eine Adipositas bescheinigt. Einen Anstieg verzeichnen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Trotz des Rückgangs: Ein entspanntes Zurücklehnen bei den Bemühungen um mehr Bewegung und ausgewogenere Ernährung ist noch lange nicht möglich. Gesundheit ist das Kerngut für die Lern- und Bildungsfähigkeit von Kindern: Übergewichtige und adipöse Menschen werden häufiger krank. Diabetes mellitus Typ II, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Gicht, Arteriosklerose, Rücken- und Gelenkbeschwerden sind typische Langzeitfolgen. Diese so genannten „Zivilisationskrankheiten“ treten zunehmend bei Kindern und Jugendlichen auf. Wer also schon im Kindesalter übergewichtig ist, hat ein höheres Risiko im Alter die von einer hohen Energieaufnahme und geringen körperlichen Aktivität abhängigen Tumorerkrankungen (wie Dickdarmkrebs, Prostatakrebs und Brustkrebs nach der Menopause) zu entwickeln (vgl. Müller, M.J. et al, 2007). Und die Wahrscheinlichkeit, dass ein jugendlicher Übergewichtiger auch im Erwachsenenalter unter Übergewicht leidet, liegt bei etwa 80 Prozent.

Die OECD (Organization for Economic Cooperation and Development bzw. Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hat am 23. September 2010 in Paris gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den OECD-Bericht "Obesity and the Economics of Prevention: Fit not Fat" veröffentlicht. Die Studie untersucht die Ausbreitung der Adipositas anhand aktueller Daten, Trends und Prognosen. Sie verdeutlicht, wie Wirtschaft und Staat in der Vergangenheit zur Entstehung dieser „Epidemie“ beigetragen haben und zeigt Möglichkeiten auf, was sie zur Bekämpfung der Adipositas tun können.

Übergewicht (BMI >25 kg/m²) und Adipositas (BMI >30) hat in den OECD-Ländern (dazu gehören fast alle EU-Staaten, USA, Japan, Südkorea, Australien, Schweiz und die Türkei) das „alarmierende Ausmaß einer Volkskrankheit“ angenommen. Heutzutage ist bereits jeder zweite Erwachsene übergewichtig und jeder fünfte adipös. (Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) zur Gesundheitsproblematik)

Mit dem Takt der inneren Uhr gegen Übergewicht

peb-Pressetext vom 24.10.2013

Bald ist es wieder soweit. Mit herbstlichen Winden und kürzer werdenden Tagen wird am 28.10.2012 auf Winterzeit umgestellt. Doch anders als die Zeiger unserer Armbanduhren, lässt sich unser Tagesrhythmus nicht schlagartig um eine Stunde verschieben. In einem Wechselspiel von Ruhe und Aktivität folgt der Körper seinen eigenen Gesetzen. Wichtige Taktgeber sind Tageslicht, Mahlzeiten aber auch Bewegung. Der moderne, westliche Lebensstil mit besonders im Winter vermehrten häuslichen Freizeitbeschäftigungen, stets verfügbarem Nahrungsangebot und Bewegungsmangel kann zur Entkopplung dieser Einflussfaktoren führen. Ein dadurch veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflusst das Hormonsystem und begünstigt die Entwicklung von Übergewicht.

Mit...

Übergewicht und Adipositas: Definition und Entstehung

In der Regel wird Übergewicht in Anlehnung an die Definition der Weltgesundheitsorganisation als ein über der Altersund Geschlechtsnorm liegendes Körpergewicht definiert (vgl. Warschburger et al., 2005). In Abgrenzung hierzu wird Adipositas durch einen übermäßigen Anteil der Fettmasse am Körpergewicht mit deutlicher Beeinflussung der Gesundheit und einer psychosozialen Entwicklungsstörung definiert. Eine einfache Methode, Übergewicht festzustellen, ist die Berechnung des Body-Mass-Index (BMI). Der BMI wird errechnet, indem man das Körpergewicht durch die Köpergröße in Metern im Quadrat teilt: kg/m2. Bei Kindern gibt es keine konstanten Richtwerte, da sie sich im Wachstum befinden. Dadurch ergeben sich alters- und entwicklungsabhängige...

Der Nationale Aktionsplan IN FORM

Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung

IN FORM ist „Deutschlands Initiative für mehr Bewegung und gesunde Ernährung“. Mit dem Nationalen Aktionsplan will die Bundesregierung erreichen, dass Kinder gesünder aufwachsen, Erwachsene gesünder leben und dass alle von einer höheren Lebensqualität und mehr Leistungsfähigkeit profitieren. Ziel ist es, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten in Deutschland nachhaltig zu verbessern. Dazu braucht es ein breites Bündnis: Zu den Akteuren von IN FORM zählen Länder und Kommunen sowie Verbände und Initiativen, die mit Hilfe der zentralen Plattform www-in-form.de auf ihre überzeugenden Ideen in den Bereichen Ernährung und Bewegung aufmerksam machen.


Ziel ist es, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten in Deutschland nachhaltig zu verbessern. Das...

Studie: KiGGS

Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch-Instituts erfasste in den Jahren 2003 bis 2006 den Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0-17 Jahren. Der Kernsurvey wurde durch drei Module ergänzt. Die Module befassen sich schwerpunktmäßig mit gesundheitsrelevanten Umweltbelastungen (Kinder-Umwelt-Survey), psychischer Gesundheit (BELLA-Studie) und motorischer Leistungsfähigkeit (Motorik Modul – MoMo).

Die Datenerhebungen zu KiGGS erfolgen in Wellen. KiGGS liefert wiederholt bundesweit repräsentative Daten zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 17 Jahren und ermöglicht Aussagen zu Trends in der gesundheitlichen Lage.

Das Erhebungsprogramm beinhaltet in jeder Welle Befragungen....

IDEFICS-Studie

Identification and prevention of dietary- and lifestyle-induced health effects in children and infants

Die IDEFICS Studie (Identification and Prevention of Dietary and Lifestyle induced health effects in children and infants) ist eine der größten europäischen Studien, die sich mit Übergewicht und assoziierten Erkrankungen bei Kindern im Alter von 2-10 Jahren beschäftigt. Sie ist ein im 6. Forschungsrahmenprogramm gefördertes EU-Projekt mit einer Laufzeit von 5 Jahren. 23 Forschungsinstitute und Unternehmen aus elf europäischen Ländern sind an der Studie beteiligt. Die Koordination und Leitung wurde dem Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS) an der Universität Bremen übertragen. ...

DONALD-Studie

Die Ernährung während der Kindheit und Jugend spielt eine zentrale Rolle für die Gesundheit – nicht nur während Wachstum und Entwicklung, sondern auch für den späteren Erwachsenen. Während früher die Bekämpfung von Nährstoffmangelzuständen im Vordergrund stand, gilt heute den Auswirkungen von Überernährung und ungünstiger Lebensmittelauswahl erhöhte Aufmerksamkeit. Die Prävention chronischer Krankheiten einschließlich des Übergewichts steht dabei im Mittelpunkt der Forschung. In den letzten Jahren ist deutlich geworden, dass die Ernährung während der Kindheit und Jugend mit dem späteren Auftreten dieser gesundheitlichen Störungen zusammenhängt. Hier fehlen jedoch noch auf vielen Gebieten Erkenntnisse zu den komplexen Beziehungen zwischen...

Studie: KOPS - Kiel Obesity Prevention Study

Die Kieler Adipositas Präventionsstudie (Kiel Obesity Prevention Study – KOPS – 1996 bis 2009) untersuchte die Determinanten des Übergewichtes bei Kindern und dessen Beeinflussung durch Präventionsmaßnahmen. Die über einen Zeitraum von 8 Jahren angelegte Studie "KOPS" wurde 1995 begonnen. Bis 2001 wurden insgesamt 4.997 5- bis 7-jährige Kinder im Rahmen der Schuleinganguntersuchung erfasst und im Hinblick auf Ernährung, Ernährungszustand, Aktivität, sozioökonomischen Status, Morbidität, Geburtsgewicht, Stillen und Familienanamnese befragt und untersucht. Die Kinder werden im Alter von 10 Jahren sowie in der Pubertät nachuntersucht. Die Teilnahme der Kinder, Eltern und Lehrer ist freiwillig. ...

Romp & Chomp: Prävention von Übergewicht bei Kleinkindern nur mit langem Atem erfolgreich

Ein australisches Projekt zur Prävention von Übergewicht bei Kleinkindern  zeigte Erfolge  – allerdings sind die Voraussetzungen für solche Erfolge nach Darstellung der Wissenschaftler durchaus aufwendig: notwendig sind nämlich ein langer (fachlicher wie politischer) Atem, veränderte kommunale Angebotsstrukturen und eine Vielzahl von Partnern und Interventionen. Die australischen Wissenschaftler aus dem "WHO Collaborating Centre for Obesity Prevention“ an der Deakin University bezeichnen ihr Projekt zur Prävention und Bekämpfung von Übergewicht bei Kleinkindern als die „erste erfolgreiche präventive Intervention auf Gemeindeebene“.

Das so genannte "Romp & Chomp"-Projekt (benannt nach den Comicfiguren Mr. Romp und Mrs. Chomp) wurde zwischen...

Studie: Fit Not Fat (OECD)

Fettleibigkeit und die Ökonomie der Prävention

Die Studie untersucht die Ausbreitung der Fettleibigkeit anhand aktueller Daten, Trends und Prognosen. Sie verdeutlicht, wie Wirtschaft und Staat selbst in der Vergangenheit zur Fettleibigkeit beigetragen haben und zeigt Möglichkeiten auf, was sie nun zu deren Bekämpfung tun können.

OECD - Fettleibigkeit hat in den Ländern der OECD das alarmierende Ausmaß einer Volkskrankheit angenommen. Jeder zweite ist heute bereits von Übergewicht betroffen. Mit einer gemeinsamen Strategie von Regierungen und Wirtschaft könnte die Fettleibigkeit aber bereits für wenige Euro pro Kopf erfolgreich bekämpft werden. Dies ist das Ergebnis der Studie „Obesity and the Economics of Prevention: Fit not Fat“, die heute von der Organisation für wirtschaftliche...

Studie: Risiko für Übergewicht bei Kindern steigt mit Einschulung

Viele Kinder nehmen in der Grundschulzeit deutlich an Körpergewicht zu. So lautet das Fazit einer Studie der Kinder- und Jugendklinik Datteln, an der über 1.300 Schüler im Alter von 7 bis 11 Jahren teilnahmen.

Die Wissenschaftler hatten die jungen Probanden der 3. und 4. Klassen in 16 Grundschulen besucht und Körpergröße und -gewicht ermittelt. Anhand dieser Daten wurde der Körpermassenindex (BMI) bestimmt und mit den Ergebnissen der Schuleingangsuntersuchungen verglichen.

Das Grundschulalter scheint ein kritischer Zeitraum für die Gewichtsentwicklung zu sein. Ein Großteil der Schüler hatte ab dem Zeitpunkt der Einschulung deutlich an Körpergewicht zugenommen. So lag der Anteil der Übergewichtigen und Adipösen zu Schulbeginn bei...

Dissertation: Determinanten und ges. Risiken von Übergewicht bei Kindern

Determinanten und gesundheitliche Risiken von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Elterliches Übergewicht wurde anhand der erhobenen Daten als wichtigste Determinante von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen identifiziert. Es zeigte sich zudem ein positiver unabhängiger Zusammenhang zwischen Adipositas und niedrigem Sozialstatus, Migrationshintergrund (nur bei 3- bis 13-Jährigen signifikant), hoher Gewichtszunahme in der Schwangerschaft (nur bei normalgewichtigen Müttern signifikant), mütterlichem Rauchen in der Schwangerschaft, hohem Geburtsgewicht, geringer Schlafdauer (nur bei 3- bis 10-Jährigen signifikant) sowie hohem Medienkonsum. Ein niedriger Sozialstatus war darüber hinaus mit einem höheren Auftreten ungünstiger Verhaltensweisen und Lebensbedingungen assoziiert. ...

Weitere wissenschaftliche Arbeiten zur Übergewichtsthematik

Aspekte von Übergewicht & Übergewichtsprävention


Mai 2013
MoDiMiDoFrSaSo
29
  • 29.04.2013 – 30.04.2013 Karlsruhe

    Besser essen. Mehr bewegen. KINDERLEICHT-REGIONEN

    Auf der Tagung werden die Evaluationsergebnisse zum Modellvorhaben präsentiert.
30
  • 29.04.2013 – 30.04.2013 Karlsruhe

    Besser essen. Mehr bewegen. KINDERLEICHT-REGIONEN

    Auf der Tagung werden die Evaluationsergebnisse zum Modellvorhaben präsentiert.

Literaturtipps

    Qualitätskriterien für Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Primärprävention von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen

    Qualität von Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Primärprävention für Kinder und Jugendliche
    mehr dazu

    Planungshilfe für eine qualitätsgesicherte Umsetzung präventiver bzw. gesundheitsfördernder Maßnahmen zur Vermeidung von Übergewicht in NRW

    Die Landesinitiative „Prävention von Übergewicht und Adipositas im Kindesalter“ hat eine Planungshilfe für die qualitätsgesicherte Umsetzung von Maßnahmen zur Vermeidung von Übergewicht bei Kindern in NRW herausgegeben.
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    Gesund jung?! Herausforderungen für die Prävention und Gesundheitsförderung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Weißbuch Prävention 2010/2011

    Der Sammelband thematisiert u.a. die Rolle von Ernährung und Bewegung für den Gesundheitszustand von Jugendlichen
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    Was essen wir heute? Ernährungsverhalten in Deutschland

    Der Ernährungssurvey (2002) des RKI zeigt eine durchschnittlich zu hohe Fett- und Proteinaufnahme, eine zu geringe Zufuhr von Ballaststoffen und eine erhebliche Zufuhrmenge an alkoholischen Getränken.
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    Preventing Childhood Obesity - Epode European Network Recommendations

    EPODE ist ein europäisches Projekt der Übergewichtsprävention durch Vernetzung vor Ort und Social Marketing. Im Zentrum des Buches stehen Empfehlungen für die Intervention auf kommunaler Ebene. (Sprache: englisch)
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