Situative Anlässe für Bewegungsangebote: Ein Beispiel
Wenn Kinder beispielsweise im Rollenspiel besonders gerne wie Pferde durch die Gegend galoppieren, buckeln oder springen, macht es Sinn, diesen Ansatz in Bewegungsspielen aufzugreifen: Eine an die Kinder gerichtete Idee, z. B. einen Reitplatz und einen Springparcours aus selbst entworfenen Hindernissen zu bauen, setzt Aktivität in Gang. Die pädagogische Fachkraft selbst oder ein Kind „dressiert“ die „Pferde“ und lässt sie die unterschiedlichen Gangarten „Schritt“, „Trab“ und „Galopp“ auf Kommando ausüben oder die selbst gebauten Hindernisse überspringen. Die „Pferde“ können natürlich auch bocken und buckeln und den Sprung über ein Hindernis verweigern. Wer es schafft, durch den Parcours zu kommen, erhält eine Plakette, die die Kinder bei einer anderen Gelegenheit gebastelt haben.
Bewegungsbaustellen
Mit einfachen Bauteilen wie Holzklötzen, Papprollen, Plastikrohren, Brettern, Balken, Fahrradschläuchen und Malerplanen können Kinder ihre eigenen Anlässe zum Balancieren, Rutschen, Klettern, Fahren und Schaukeln schaffen. Sie können damit Rollenspiele inszenieren und natürliche Bewegungskünste, Beweglichkeit und Geschicklichkeit trainieren. Die Materialien regen die Fantasie der Kinder an und motivieren sie zu neuen Unternehmungen und Wagnissen. Das Gelingen wie auch das Misslingen ihrer Baupläne und Bewegungsabsichten durch gemeinsames Ausprobieren führt zu Bewegungserfahrungen und Bewegungssicherheit. Bewegungsbaustellen ermöglichen neben Körpererlebnissen zudem Erfahrungen mit Materialien, denn die Kinder können sich ihre Bewegungslandschaften selbst und kreativ errichten. Oft entwickelt sich eine
Bewegungsbaustelle von selbst zu einer Themenbaustelle oder die pädagogische Fachkraft kann durch das Vorgeben eines Themas wie z.B. „Dschungel“ den Kindern zu Ideen verhelfen.
Naturgesetze im KiTa-Alltag erleben
Wir lassen einen Ball den Hügel hinunterrollen. Was können wir tun, damit er schneller unten ankommt? Wir können ihm einen Schubs geben, dann wird er beschleunigt und die Geschwindigkeit steigt. Was schwimmt auf dem Wasser und was geht unter? Um das festzustellen, füllen wir Luftballons mit unterschiedlichen Materialien, z. B. den einen mit Sand, den anderen mit unserer Atemluft. Welcher Ballon sinkt und welcher geht nicht unter, wenn wir ihn aufs Wasser setzen? Was würde passieren, wenn wir einen Schwimmreifen oder Schwimmflügel mit Sand statt mit Luft füllen?
Fänger jagt Gemüsekinder
Ein Kind der Gruppe wird als Fänger markiert und versucht, auf einer abgesteckten Spielfläche die anderen Kinder zu fangen. Schafft der Fänger es, ein anderes Kind zu fangen, wird dieses zum Fänger und erhält die Markierung. Die Kinder können sich vor dem Fänger schützen, indem sie eine Gemüsesorte rufen. Dann dürfen sie nicht mehr gefangen werden, können sich aber auch nicht mehr bewegen und müssen sich breitbeinig hinstellen. Erst wenn andere Kinder zwischen ihren Beinen hindurchkrabbeln, dürfen sie wieder mitspielen. Jedes Kind muss bei jedem Mal ein anderes Gemüse nennen. Das Spiel kann natürlich mit beliebigen Lebensmitteln gespielt werden, z. B. Milchprodukten, Getreideerzeugnissen, Obstsorten.
Spion kundschaftet Lebensmittel aus
Für das Spiel finden sich jeweils zwei Kinder zusammen. Jedes Kind trägt eine Karte auf dem Rücken, die ein Lebensmittel abbildet (Die Karten haben die Kinder selbst gebastelt). Die Kinder versuchen, das Lebensmittel ihres Spielpartners auf einer begrenzten Spielfläche, z. B. Markierungen in der Turnhalle, auszuspionieren und zu verhindern, dass der Partner das eigene Lebensmittel errät. Es sind Varianten denkbar, die gegenseitiges Festhalten verbieten oder erlauben.
Die Klassiker:
- Eierlaufen
- Der Plumpssack geht um
- Sackhüpfen
- Himmel und Hölle
- Abwerfball
- Fangen
- Räuber und Gendarm
- Reigen- und Tanzspiele
- Staffelspiele
- Der gordische Knoten / Knotenmutter hilf uns
Aktionen und Aktionstipps
- Aktion „Zu Fuß sicher in Kita und Grundschule“
- Exkursion in einen Klettergarten/Kletterhalle
- Schnitzeljagd, Rally
Die Zielgruppe nicht aus den Augen lassen:
Geht es um die Prävention von Übergewicht bei Kindern, dürfen die damit verbundenen Zielgruppen nicht aus den Augen verloren werden. Erziehungsberechtigte sind die wichtigsten Bezugspersonen von Kindern.
- Elternabend „Bewegter Kindergeburtstag“
- Elternabend „Fernsehen, Ernährung und Bewegung“
- Eltern-Kind-Kochstudio, Eltern-Kind-Sportfest
- Elternabend mit Ernährungsberatung, Kinderarzt oder Sportlehrer
- (regelmäßige) Elternsportabende
- Exkursionen mit Kindern und Eltern z.B. auf einen Bauernhof
- Pflege eines Schulgartens mit Hilfe der Eltern
- Kinderärzte, Kliniken, Physiotherapeuten stimmen ihre Patienteniformationsangebote mit Kitas, Schulen und anderen Einrichtungen ab.
- Ein gemeinsamer „sponsored walk“ für ein bestimmtes Projekt
- Migrantenorganisationen könnten muttersprachliche Angebote machen, um alle Familien zu erreichen.
Bewegung und Ernährung optimieren in Kita und Grundschule:
- Einbindung der Gesundheitsförderung in das pädagogische Erziehungs- und Bildungskonzept
- Berücksichtigung der Bewegungs-, Ruhe-, Ernährungs- und Trinkbedürfnisse der Kinder
- Schaffung bewegter Rahmenbedingungen: ausreichend große Räume, bedürfnisorientierte Gestaltung der Innen- und Außenflächen, Lärmschutzmaßnahmen
- Überprüfung und ggf. Optimierung/Veränderung des Verpflegungskonzeptes
- Schaffen von Beteiligungsmöglichkeiten an der Essenszubereitung
- Einführen von Ritualen für die Mahlzeiten
- Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte, der Lehrerinnen und Lehrer sowie ggf. der Hauswirtschaftkräfte
- Intensivierung der Mitarbeit und Beteiligung der Eltern
- Zusammenarbeit mit Institutionen, die für die gesundheitliche Entwicklung relevant sind.
Lesetipps Bewegung
- Plattform Ernährung und Bewegung: Gesunde Kitas – starke Kinder. Einführung und Arbeitshilfe für pädagogische Fachkräfte
- R. Zimmer: Kursbuch Bewegungsförderung. So werden Kinder fit und beweglich. Reihe „Unsere gesunde Kita“, Don Bosco Verlag, München, 2004.
- R. Zimmer: Toben macht schlau! Bewegung statt Verkopfung. Verlag Herder spektrum, Freiburg im Breisgau. 3. Auflage, 2004.
- H. Momm-Zach: Adipositas – der Leidensweg der dicken Kinder. Hintergründe für Kindergarten und Schule. E&Z Verlag, Duisburg, 2007.