Arbeiten in Netzwerken

Irgendwie ist heutzutage jeder vernetzt. Sei es in berufsspezifischen Zusammenschlüssen, an einem runden Tisch zu einem bestimmten Thema, in den sozialen Netzwerken des Internets oder anderswo. Zielgerichtet in vernetzten Strukturen an einem gemeinsamen Auftrag zu arbeiten, ist dabei eine besondere Kunst und ohne Zweifel schwierig. Es gilt, neben dem Auftrag der eigenen Institution, die gemeinsame Aufgabe und dazugehörige gemeinsame Projekte im Auge zu behalten. Einige Fragen stellen sich dabei sowohl bei der Planung als auch beim "Vernetzen" selbst:

Grundlage: Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung

Material zum Hauptvortrag Prof. Göpel (Weimar, 27.2.2012)

Auf der ersten internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde im November 1986 in Ottawa die folgende Charta verabschiedet. Diese Konferenz war vor allem eine Antwort auf die wachsenden Erwartungen an eine neue Bewegung für die Gesundheit in der ganzen Welt. Die Diskussion befasste sich vorrangig mit Erfordernissen in Industrieländern, es wurden aber auch die Entwicklungsprobleme aller anderen Regionen berücksichtigt. Die Veröffentlichung der Ottawa-Charta durch die WHO hat in vielen Ländern neue Impulse für die Gesundheitspolitik vermittelt. Um auch in Deutschland entsprechende Entwicklungen anzuregen, ist der Text nachfolgend noch einmal aufgeführt.

Gesundheitsförderung ...

Welche Vorteile hat Vernetzung?

Ganztagsschule, demografischer Wandel, knappe Kommunalhaushalte, Sanierungsstau, nachhaltige Stadtentwicklung und Klimaschutz, Ärztemangel im ländlichen Raum, zu viele übergewichtige Kinder, sinkende Steuereinnahmen – das sind ungeliebte Schlagworte, die häufig auftauchen, wenn es um Zukunftsaufgaben von Städten und Gemeinden geht. All das soll bewältigt und bei politischen Entscheidungen vorausschauend berücksichtigt werden. Klar ist dabei, dass dieser Berg Einzelaufgaben nebeneinander kaum zu schaffen ist.

Die Ottawa-Charta der WHO sagt, dass Gesundheit von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt wird: dort wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben.  Der natürliche Ort der Gesundheitsförderung ist also das kommunale...

Ein Beispiel: Bewegung, Mobilität, Verkehr...

...und was Gesundheit damit zu tun hat

Bewegung und Orte für Bewegung sind zentrale Gesundheitsfaktoren im Leben und besonders wichtig für das gesunde Aufwachsen Kindern. Dabei leistet die Gesellschaft sich heute immer weniger Orte für Bewegung und Bewegungszeiten. Dem muss nicht nur im Sinne der Übergewichtsprävention begegnet werden. Mit der Bereitstellung von Spiel- und Sportplätzen, Sportunterricht, Sportförderung und Vereinsangeboten ist es dabei jedoch nicht getan. Es geht um die bewegungsfördernde Verbindung dieser „Inseln“ untereinander und mit den Wohnorten sowie öffentlicher Räume wie Plätze und Grünanlagen. Kurz: Es geht um die Rückgewinnung von Räumen für regelmäßige Bewegung und Spiel sowie die Verbesserung der Qualität von Bewegungsangeboten. ...

Voraussetzungen zielgerichteter Netzwerkarbeit

Für die Initiierung von Netzwerken sind vor allem gemeinsame Ziele und Vorhaben grundlegend. Je konkreter ein Ziel, die Rollenverteilung und die Umsetzungsschritte formuliert werden, desto wahrscheinlicher ist eine erfolgreiche Zusammenarbeit. So können die Akteure besser ihren individuellen Nutzen der Netzwerkarbeit und ihr damit verbundenes Arbeitspensum erkennen. Die Identifikation mit dem Netzwerk steigt dadurch. Eine lose Verabredung auf nicht genau definierte Netzwerkziele und Arbeitsschritte führt dagegen selten zum Erfolg. ...

Masterarbeit: Regionale Netzwerkbildung

zur Übergewichtsprävention bei Kindern. Fördernde und hemmende Faktoren in der Phase des Netzwerkaufbaus

Im Rahmen einer Masterarbeit wurden fördernde  und hemmende Voraussetzungen herausgearbeitet, die anhand einer Expertenbefragung überprüft wurden. Untersucht wurden dabei die „Regionen mit peb“, die im Rahmen des gleichnamigen Projekts der Plattform Ernährung und Bewegung e.V. entwickelt wurden. Zur Überprüfung der erarbeiteten Voraussetzungen wurden Experten aus den regionalen Netzwerken mithilfe eines schriftlichen Fragebogens befragt. Durch den Fragebogen konnten drei verschiedene Themenbereiche erfasst werden: die Erfolge auf Mikro- und Makroebene (1), die Herausforderungen und Probleme der Netzwerke (2) und die Gestaltung der Phase des Netzwerkaufbaus sowie die Schaffung von günstigen oder hemmenden Voraussetzungen (3).

Zusammenfassung...

Netzwerke aufbauen - wie fängt man an?

Für die Zusammenführung verschiedener Akteure braucht es zunächst eine Phase der Selbstreflektion und schließlich die Definition einer gemeinsam wahrzunehmenden Problem- oder Bedarfslage. Dies kann in einzelnen Schritten geplant und realisiert werden:

1. Problem/ Bedarf erkennen:

  • Welches Problem, welchen Bedarf habe ich?
  • Warum ist das ein wichtiges Anliegen?
  • Welche Vorteile ergeben sich durch die Deckung des Bedarfs
    - für die Zielgruppe
    - für die eigene Institution
    - für die Kommune/Quartier/Stadtteil/Region etc.

2. Das eigene Anliegen, den Auftrag, die Wünsche, Probleme im fachlichen und ggf. politischen Kontext beschreiben:

  • Welche sind meine Ziele, um den Bedarf zu decken/das Problem zu lösen?
  • Was will ich erreichen?
  • Was kann ich selber...

Was Netzwerke strukturell brauchen

Netzwerke sind im Idealfall als dynamische, ständig lernende Organisationsform auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Sie sind offen für neue Mitglieder und lassen Veränderungen zu. Den „one-best-way“, sie zu organisieren und zu strukturieren gibt es nicht. Sie sind kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Dennoch lassen sich einige grundlegende Merkmale festhalten, die dem Erreichen des gemeinsamen Ziels und damit verbundener Aufgaben zuträglich sind.

Netzwerke brauchen

  • einen In-Gang-Setzer mit Anliegen, Auftrag, Wunsch, Problem o.ä.,
  • einen Kümmerer oder Koordinator (Koordinierungsstelle, Netzwerkmanager/-koordinator o.ä.), aber keinen „Alleinherrscher“,
  • Partner und Mitstreiter mit Entscheidungskompetenz für...

Grundannahmen zur Zusammenarbeit

bei „Regionen mit peb“

  • Die Netzwerke sind Verantwortungsgemeinschaften, die sich dem gemeinsamen Anliegen und Zweck der Förderung ausgewogenen Ernährungsverhaltens und mehr Bewegung für Kinder zusammenschließen.
  • Die Netzwerkpartner arbeiten auf Augenhöhe an gemeinsamen Aufgaben/Projekten und optimieren dabei ihre eigenen Angebote.
  • Die Netzwerkpartner tauschen sich regelmäßig über die eigenen Schritte und Angebote im Kontext des gemeinsamen Ziels aus.
  • Die Netzwerke haben einen Kümmerer (Koordinierungsstelle, Netzwerkmanager/-koordinator o.ä.), aber keinen „Alleinherrscher“
  • Jedes Netzwerk ist als dynamische, ständig lernende Organisationsform auf Nachhaltigkeit ausgelegt und ist offen für neue Mitglieder

Projekte und ihr "Management"

Die meisten Begriffe und Verfahrensweisen im Projektmanagement stammen aus dem Ingenieur-, Wirtschafts- und Informatikbereich bzw. sind dort etabliert und standardisiert worden. In sozialen oder karitativen Projekten, die aus öffentlichen Mitteln gefördert werden, treffen die wirtschaftsorientierten Aspekte nicht immer zu 100% zu oder sind in ihrem Umfang nicht vollständig einzuhalten. Aber auch hier gilt:

Ein Projekt ist immer ein zielgerichtetes, einmaliges Vorhaben, das durch verschiedene Merkmale bestimmt ist:

  • Ein Projekt hat immer eine vor Projektstart festgelegte Laufzeit, also einen Anfangs- und einen Endtermin.
  • Ein Projekt hat definierte Ziele. Aus ihnen bestimmt sich das strategische Vorgehen, die nötigen Prozesse/Tätigkeiten und...

Braucht man als Netzwerk ein Leitbild?

Handlungs- und entscheidungsleitende Funktion nicht unterschätzen

  • An einem Strang ziehen: Über die Ziele und Aufgaben herrscht bei den Beteiligten Konsens
  • Bestimmt die Arbeit des Netzwerks: Das Leitbild enthält die Eckpunkte und Ziele der gemeinsamen Arbeit
  • Handlungs- und entscheidungsleitend für die Netzwerkpartner: Das Leitbild ist der „Kodex“ für alle Netzwerkaufgaben
  • Identifikation mit dem Netzwerk: Nur wenn alle Mitglieder sich mit dem Leitbild identifizieren können, funktioniert das Netzwerk
  • Das Leitbild ist ein „Netzwerkvertrag“: Es bestimmt die Voraussetzungen und Ziele für die Zusammenarbeit und bindet die Mitglieder an diesen Handlungsrahmen
  • Die formale Unterzeichnung des Leitbilds trägt zur Verbindlichkeit bei

Zielsetzung des Leitbilds (bei „Regionen mit peb“)
Übergewichtsprävention/Gesundheitsförderung von Kindern in der Region XY durch gemeinsame, koordinierte Bewegungs- und Ernährungsangebote in Kindergärten/Kindertagesstätten und Schulen. Aufbau einer Verantwortungsgemeinschaft aus den lokalen/regionalen Akteuren.

...

Mögliche Netzwerkpartner in der Übergewichtsprävention

Viele KiTas und Grundschulen kooperieren bereits mit einzelnen Institutionen, Kinderärzten, anderen kommunalen Angeboten oder Sportvereinen. So bieten sie z. B. Elternabende zum Thema Ernährung mit einer Ernährungsberaterin oder Sportangebote für Eltern an. Gute Beispiele fußen auf vernetzten Kooperationen. ...

Netzwerke brauchen Politik und Verwaltung

"Städte und Gemeinden haben elementare Bedeutung für das Leben ihrer Bewohner. Durch die Art, wie sie ihren Anforderungen gerecht werden, beeinflussen sie u.a. die sozialen und gesundheitlichen Entwicklungen eines Landes. Der Strukturwandel, eine rückläufige und alternde Bevölkerung sowie knappe Kassen stellen die Kommunalpolitik vor große Herausforderungen. Sie lassen sich am ehesten meistern, wenn alle Beteiligten, wie Kommunalverwaltung und -politik, Vereine, Verbände, die örtliche Wirtschaft und Bürgerinitiativen, bereit sind, sich zu engagieren, zusammenzuarbeiten und gegebenenfalls neue Wege zu beschreiten.

Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, bedarf es einer gesundheitsförderlichen Kommunalentwicklung. Die Ausarbeitung...

Wie erreichen Netzwerke Politik und Verwaltung?

Der direkte Kontakt zu Politikern oder Verwaltungsleitungen ist kein Tabu. Politiker sind darauf angewiesen, Rückmeldungen, Beiträge und Vorschläge von Bürgern und Organisationen als direkte Antwort auf ihre Politik zu erhalten. Hieraus können politische Entscheidungen abgeleitet werden. Insofern kann ein persönlicher Termin oder die Bürgersprechstunde in Abgeordnetenbüros gut genutzt werden, um das Anliegen des Netzwerks vorzustellen und ggf. Informationsmaterial zu hinterlegen.
Bürgeranhörungen, Fach- und Wahlkampfveranstaltungen oder öffentliche politische Veranstaltungen können ein fruchtbarer Boden für das Bekanntmachen der Netzwerkanliegen und der damit verbundenen Expertise sein: z. B. über Wortbeiträge in Diskussionen. Auch für...

Partnerprozess „Gesund Aufwachsen für alle!“

Für Kommunen, die Präventionsketten aufbauen möchten

Der kommunale Partnerprozess „Gesund auf­wach­sen für al­le!“ führt Kom­mu­nen zu­sam­men, die sich auf den Weg gemacht haben Präventionsketten zur För­de­rung der Ge­sund­heit von Kin­dern und Ju­gend­li­chen aufzubauen. Grund­la­ge des kom­mu­na­len Partnerprozesses bil­den die vom Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bund erarbeiteten Hand­lungs­empfeh­lun­gen „Gesundheitschancen so­zi­al benachteiligter Kinder und Ju­gend­li­chen nach­hal­tig verbessern“. Initiiert durch die Bun­des­zen­tra­le für ge­sund­heit­liche Auf­klä­rung (BZgA) wird der Partnerprozess im Rahmen des Ko­o­pe­ra­ti­ons­ver­bun­des „Ge­sund­heits­för­de­rung bei so­zi­al Be­nach­tei­lig­ten“ und in Zu­sam­men­ar­beit mit den kommunalen Spitzenverbänden, dem Gesunde-Städte-Netzwerk...

Hauptvortrag: Kommunale Gesundheitsförderung

als Chance und Möglichkeit zur Gestaltung eines gesundheitsfördernden Gemeinwesens – Eine Einladung zur Beteiligung

Tagungsunterlagen zum Vortrag von Prof. Eberhard Göpel (im Vorstand der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V.) auf der Fachtagung "Stadt - Land - gesund" am 27.2.2012 in Weimar

PDF-Downloads zum Vortrag: Vortragsskript und Folienpräsentation ...


Weiterbildung & Co.

  • 21.06.2013 Karlsruhe

    peb-Symposium zum "Sitzenden Lebensstil" auf dem Kinderturn-Kongress 2013

    Der beliebte Karlsruher Kongress vom 21. bis 23. Juni 2013 verpackt wissenschaftliche Erkenntnisse in Anregungen und Tipps für die Praxis.
  • 25.09.2013 Konstanz

    21. Sportwissenschaftlicher Hochschultag der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs)

    Bei diesem zentralen Kongress der deutschen Sportwissenschaft, der zum ersten Mal gemeinsam mit der Sportwissenschaftlichen Gesellschaft der Schweiz...
  • 25.10.2013 Bad Kreuznach

    7. Deutscher Schulverpflegungskongress des Deutschen Netzwerks Schulverpflegung (DNSV)

  • 08.11.2013 Messe Bremen

    BESSERESSER - Aktionstage Kinder- und Jugendernährung

    "Überlebte" und in unserer Gesellschaft schon überflüssig erscheinende Erfahrungen und Kompetenzen im Umgang mit Lebensmitteln wieder und neu...