Studie: Wie ernähren sich deutsche Familien wirklich?
Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Schweizer Nahrungsmittelunternehmens AMC-Group
Dem überwiegenden Teil der Eltern ist die gesunde Ernährung ihrer Kinder wichtig. Die dürfen auch häufig mitreden, wenn es um das Essen geht. Einigkeit herrscht auf dem Teller noch lange nicht. Und wie ernähren sich Familien in Deutschland wirklich? Das Institut für Demoskopie Allensbach hat sich in einer repräsentativen Studie mit dieser Fragestellung beschäftigt. Befragt wurden im Auftrag des Schweizer Nahrungsmittelunternehmens AMC-Group, eines Herstellers von Kochsystemen.
Welche Prioritäten setzen Eltern bei der Ernährung ihrer Kinder?
Fast alle Eltern legen bei der Ernährung vor allem Wert darauf, dass ihren Kindern das Essen schmeckt (95%), dass sie möglichst viel Obst und Gemüse essen (94%), dass es mindestens eine warme Mahlzeit am Tag gibt (92%) und dass die Kinder ausreichend trinken (91%). Auch auf eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung (85%), frische Zubereitung und wenig Fertigprodukte (82%) sowie wenig Süßigkeiten (84%) legen viele Eltern besonderen Wert. Zwei Dritteln ist es außerdem wichtig, dass die Kinder genug essen und richtig satt werden (66%). Das gute Aussehen des angerichteten Essens ist für etwa jeden Zweiten besonders relevant. Überraschend weit abgeschlagen und an letzter Stelle der 14 abgefragten Prioritäten: Die Verwendung möglichst vieler Bio-Produkte (41%).
Viele Eltern haben ein schlechtes Gewissen, wenn es um die Ernährung ihrer Kinder geht. 38 Prozent meinen, sie ernähren ihre Kinder nicht gesund genug. Sie genügen ihren eigenen Ansprüchen beim Kochen nicht, entscheiden sich gegen die eigene Überzeugung auch mal für Fertiggerichte statt selbst zu kochen (40 Prozent), und sie lassen sich zu oft von ihren Kindern um den Finger wickeln, erfüllen deren Wünsche auch wenn sie der Meinung sind, dass dies nicht die gesündere Variante ist (39 Prozent). Auch beim Einkauf im Supermarkt setzen sich Kinder oft durch. 49 Prozent der Väter und Mütter sagten, dass sie ihren Kindern dort auf Wunsch Süßigkeiten kaufen.
Der Fast-Food-Irrtum
Dass Kinder Fast Food wie Hamburger, Fischstäbchen oder Bratwurst mehr lieben als jedes andere Gericht, bestätigte sich in der Studie nicht. Fast Food ist nur bei sechs Prozent der Kinder der Top-Favorit, ebenso viele Kinder entschieden sich für Fischstäbchen, je fünf Prozent für Schnitzel mit Pommes und Bratwurst. Unangefochtener Spitzenreiter hingegen sind mit 46 Prozent Spaghetti. Selbst Pizza, mit 21 Prozent auf Platz zwei, findet nur halb so viele Fans wie die Nudeln.Pommes frites schaffen es nur auf Platz 3 und sonstiges Fast Food (z.B. Hamburger) liegen nur auf Platz 10.
Kochen, Mitkochen, zusammen essen
Kein Wunder, dass Spaghetti auch auf der Liste der Gerichte, die Kinder selbst kochen können, ganz oben steht. 51 Prozent der Kinder zwischen acht und zwölf Jahren sagen, sie können kochen, ohne fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen. 62 Prozent davon kochen am liebsten Spaghetti. 38 Prozent beherrschen Spiegel- oder Rührei, 22 Prozent können Süßspeisen wie Wackelpudding zubereiten.
Fast alle Eltern reden mit ihren Kindern häufig oder zumindest gelegentlich darüber, was es zu essen geben soll. Das sorgt auch für Konflikte: In rund 40 Prozent der Familien, die darüber sprechen, kommt es zuweilen zum Streit darüber, was gegessen werden soll. Ein Trost: Kinder, die bei der Wahl des Essens mitdiskutieren dürfen, haben ein ausgeprägteres Ernährungsbewusstsein als solche, die das selten oder nie dürfen.
Fast drei Vierteln der Kinder macht das Essen Spaß, den Jungen häufiger (78 Prozent) als den Mädchen (65). Dabei klagen Kinder, deren Eltern gern und ernährungsbewusst kochen, seltener über "schlechtes" Essen als solche, deren Eltern nicht gern kochen oder nicht auf Gesundes achten. Wie auf anderen Gebieten ist auch bei der Ernährung das Vorbild der Eltern wichtig. Kinder, deren Eltern es leicht fällt, bei der Ernährung Vorbild zu sein, haben deutlich häufiger Spaß am Essen und sehen seltener einen Widerspruch zwischen gutem Essen und gutem Geschmack.
Wandel bei den Tischmanieren
Die gemeinsame Mahlzeit steht bei Deutschlands Familien immer noch hoch im Kurs: Drei Viertel der Kinder gaben an, dass es bei ihnen häufig alle Familienmitglieder am Tisch sitzen. Wie aber in den Familien gegessen wird, hängt stark vom sozialen Umfeld ab. So legt ein Viertel aller Eltern aus unteren sozialen Schichten keinen besonderen Wert darauf, dass die Kinder von ihnen lernen, wie man mit Messer und Gabel isst. Und dass beim Essen der Fernseher läuft, stört die Hälfte aller Eltern aus der schwächeren sozialen Schicht nicht weiter. Bei den einkommensstarken Familien ist es verpönt, den Fernseher während des Essens laufen zu lassen: 80 Prozent lehnen dies ab. 81 Prozent dieser Familien legen großen Wert darauf, dass erst mit dem Essen begonnen wird, wenn alle am Tisch sitzen. In Familien aus schwächeren sozialen Schichten sind es 49 Prozent. Nach wie vor wichtig finden die Eltern, dass die Kinder am Tisch nicht herumhampeln und lernen, mit Messer und Gabel zu essen (je 83 Prozent). Geachtet wird auch darauf, dass sich die Kinder vorher die Hände waschen und nicht mit vollem Mund sprechen. Wie sehr auf welche Manieren gesehen wird, hängt auch vom sozialen Umfeld ab.
Dagegen sind viele der Grundsätze, mit denen die Eltern selbst groß geworden sind, nicht mehr gefragt. Viele der alten Grundsätzekommen aus der Mode: Während sich 71 Prozent der befragten Eltern daran erinnern, dass ihre eigenen Eltern auf einen pünktlichen Essensbeginn Wert legten, erwarten dies nur noch 59 Prozent von ihren Kindern. So erinnern sich 64 Prozent der Eltern daran, dass ihre Väter und Mütter früher darauf bestanden, dass die Kinder den Teller leer essen. Nur 13 Prozent verlangen das selbst von ihren Kindern. Ähnlich deutlich ist der Gegensatz bei der Forderung "es wird gegessen, was auf den Tisch kommt". Früher legte die deutliche Mehrheit der Eltern (75 Prozent) darauf großen Wert, heute sind es nicht einmal halb so viele (31Prozent ). Auch das Tischgebet stirbt aus: Nur in sieben Prozent der deutschen Familien wird Wert auf ein Tischgebet gelegt. Dagegen sagt knapp ein Viertel aller Eltern, dass in ihrer Kindheit vor dem Essen gebetet wurde.
Die neuen Tischmanieren sind: "Den Teller nicht zu voll packen", lieber ein zweites Mal nehmen (heute 70 Prozent, früher 47 Prozent), und "vor dem Essen nichts naschen" (heute 78 Prozent, früher 66 Prozent).
Eltern kritisieren Kinder-Speisekarten
Mit "Kindertellern" in Restaurants sind nur 40% der Eltern zufrieden, die auf gesunde Ernährung achten. Häufigste Kritik der Eltern: Zu ungesund (52%), zu wenig Variationen und Auswahl (61%). Bei den Kindern hingegen kommen die Speisekarten besser an, 64% sagten "finde ich gut".
Quellen: www.welt.de, www.morgenpost.de, AMC-Pressemeldung (Presseportal.de)

































