Gesundheitsrisiken & Umweltbelastungen alleinerzogener Kinder
Originalarbeit | Gesundheitswesen 2012; 74(3): 123-131 | DOI: 10.1055/s-0030-1270507
Originatext: © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
M. Scharte 1, G. Bolte 2
1 Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Sachbereich Arbeits- und Umweltepidemiologie, München
2 für die GME-Studiengruppe[*]
Auszug:
Studienpopulation/Methodik: Die Grundlage für diese Analyse bildeten die ersten 3 Surveys der Gesundheits-Monitoring-Einheiten 2004-2007 in 3 Landkreisen und 3 kreisfreien Städten Bayerns, in denen Eltern von insgesamt 19.039 Kindern im Alter 5-7 Jahre schriftlich befragt wurden. Die Analysepopulation mit vollständigen Angaben zur Familiensituation umfasste 18.327 Kinder. Der Anteil alleinerziehender Mütter lag bei 10%.
Ergebnisse: Alleinerziehende Frauen schätzten den Gesundheitszustand ihres Kindes häufiger als mittelmäßig bis sehr schlecht ein als Eltern aus Paarfamilien. Die Söhne Alleinerziehender waren häufiger adipös. Sie wiesen einen signifikant höheren SDQ-Gesamtproblemwert auf, hatten häufiger emotionale Probleme und zeigten häufiger hyperaktives Verhalten als Jungen aus Paarfamilien. Keine Unterschiede bestanden im prosozialen Verhalten. Mädchen aus Einelternfamilien zeigten häufiger Verhaltensprobleme als Mädchen aus Paarfamilien. Auch die Asthmaprävalenz lag hier signifikant höher. Jungen und Mädchen Alleinerziehender waren seltener aktiv im Sportverein; die Jungen bewegten sich auch in der Freizeit weniger. Hinsichtlich des Obst- und Gemüseverzehrs gab es keine Unterschiede. Kinder alleinerziehender Frauen waren zuhause häufiger Passivrauch ausgesetzt. Einelternfamilien gaben deutlich häufiger eine Beeinträchtigung durch Lärm, Luftverschmutzung und Mangel an zugänglichen Grünflächen in der Wohngegend an als Paarfamilien und lebten häufiger an Straßen mit hoher Verkehrsbelastung.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse belegen das höhere Gesundheitsrisiko sowie die signifikant schlechteren Wohn- und Umweltbedingungen der Kinder alleinerziehender Mütter. Zur Klärung der vermittelnden Faktoren sind weitere Analysen erforderlich.
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