Studie: Fit Not Fat (OECD)
Fettleibigkeit und die Ökonomie der Prävention
Die Studie untersucht die Ausbreitung der Fettleibigkeit anhand aktueller Daten, Trends und Prognosen. Sie verdeutlicht, wie Wirtschaft und Staat selbst in der Vergangenheit zur Fettleibigkeit beigetragen haben und zeigt Möglichkeiten auf, was sie nun zu deren Bekämpfung tun können.
OECD - Fettleibigkeit hat in den Ländern der OECD das alarmierende Ausmaß einer Volkskrankheit angenommen. Jeder zweite ist heute bereits von Übergewicht betroffen. Mit einer gemeinsamen Strategie von Regierungen und Wirtschaft könnte die Fettleibigkeit aber bereits für wenige Euro pro Kopf erfolgreich bekämpft werden. Dies ist das Ergebnis der Studie „Obesity and the Economics of Prevention: Fit not Fat“, die heute von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris veröffentlicht wurde.
Ein wachsendes Nahrungsmittelangebot und sich ändernde Ernährungsgewohnheiten haben bei allgemein stark nachlassender körperlicher Betätigung die Fettleibigkeit zu einer weltweiten Epidemie werden lassen. Aktuell ist in den Ländern der OECD durchschnittlich jeder zweite übergewichtig und jeder sechste Bürger fettleibig. Der Anteil übergewichtiger Menschen wird sich in einigen Ländern in der kommenden Dekade voraussichtlich noch weiter um ein Prozent jährlich erhöhen.
Die meisten Übergewichtigen leben prozentual gesehen in den USA und Mexiko, am wenigsten gibt es in Japan und Korea. Insgesamt steigen die Zahlen aber nahezu überall an. Auch Kinder sind immer stärker betroffen, schon jetzt ist jedes dritte übergewichtig.
Bei sozial Schwächeren sind die weniger gebildeten Frauen besonders von Übergewichtigkeit und Fettleibigkeit betroffen. Diese haben in vielen OECD Ländern eine zwei bis dreimal höhere Wahrscheinlichkeit übergewichtig zu werden, als Frauen mit höherer Bildung. Bei Männern gibt es dagegen kaum Unterschiede.
Schwer fettleibige Menschen sterben etwa 8 bis 10 Jahre früher als Personen mit normalem Gewicht, und sie entwickeln mit höherer Wahrscheinlichkeit Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Die Gesundheitskosten bei einem fettleibigen Menschen sind um mindestens 25 Prozent höher als bei einem Patienten mit normalem Gewicht. Fettleibigkeit wird somit auch eine zunehmende Belastung für das Gesundheitssystem.
Der Schlüssel zum Erfolg im Kampf gegen die Fettleibigkeit ist dem Bericht zufolge ein gemeinsames Vorgehen von Regierungen und Wirtschaft. Mit einer Präventionsstrategie, die sich auf Kampagnen zur Gesundheitsförderung, staatliche Regulierungen und eine hausärztliche Betreuung fettleibiger Patienten stützt, könnten zukünftig Hunderttausende vor dem Tod in Folge von chronischen Erkrankungen gerettet werden. Eine solche Strategie würde je nach Land jährlich etwa zwischen 10 und 30 US Dollar pro Person kosten.
Als Übergewicht und Fettleibigkeit gilt ein übermäßig hohes Gewicht, das auf Grund des prozentual hohen Fettanteils im Körper mit Gesundheitsrisiken verbunden ist. Die verwendete Messgröße für Übergewicht und Fettleibigkeit stützt sich auf den Body Mass Index (BMI), bei dem das Gewicht einer Person im Verhältnis zur Körpergröße gemessen wird (kg/m2). Laut Definition der WHO gelten Erwachsene mit einem BMI zwischen 25 und 30 als übergewichtig und Personen mit einem BMI von über 30 als fettleibig.
„Obesity and the Economics of Prevention: Fit not fat“ präsentiert erstmalig eine umfassende Analyse der gesundheitspolitischen und wirtschaftlichen Auswirkungen von Initiativen gegen Fettleibigkeit in fünf Ländern. Sie wurde gemeinsam von der OECD und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erarbeitet.
Publikation: "Obesity and the Economics of Prevention - Fit not Fat"
September 2010, 270 Seiten, €39, ISBN: 9789264063679 | Download über OECD iLibrary
Inhalt:
Ausführliches Inhaltsverzeichnis (pdf, 116kB, engl.)
Zusammenfassung (pdf, 126kB, engl.)
- Introduction: Obesity and the Economics of Prevention
- Obesity: Past and Projected Future Trends
- The Social Dimension of Obesity
- How Does Obesity Spread
- Tackling Obesity: The Roles of Governments and Markets
- The Impact of Interventions
- Information, Incentives and Choice: A viable Appoach to Preventing Obesity
Material zum Bericht:
- Grafikpaket (xls, 299kB)
- Überblick Länderinformationen (engl. - keine deutschen Daten enthalten)
Links:
http://www.oecd.org/document/18/0,3746,de_21571361_44701414_44703122_1_1_1_1,00.html
- Health Priorities in the Aftermath of the Crisis - OECD Health Ministerial Meeting, 7.- 8. Oktober 2010, Paris
- The Economics of Prevention - Webseite zum Projekt (engl.)
- Arbeitspapiere zum Thema Gesundheit (engl.)
- www.oecd.org/de/gesundheit - Themenseite Gesundheit
Studien und Statistiken zum Thema:
- OECD-Gesundheitsdaten - die umfassendste Quelle für vergleichende Daten zur Gesundheitsstand und Gesundheitssystemen in den OECD-Ländern.
- Gesundheit auf einen Blick - die wichtigsten Indikatoren aus dem Bereich. Erscheint alle zwei Jahre.
- Gesellschaft auf einen Blick - umfassende Sammlung mit Indikatoren zur sozialen Entwicklung der Mitgliedsländer.
- Achieving Better Value for Money in Health Care - steigende öffentliche Ausgaben für das Gesundheitswesen sind in nahezu allen Ländern zu einem ernsten Problem geworden. Der Druck auf die Politik wächst, die Effizienz der Gesundheitssysteme zu verbessern.
- OECD Health Statistics - umfassende Daten zum Thema Gesundheit, Versorgung und Pharma, enthält rund 1200 Indikatoren.
Weitere Informationen zum Thema unter www.oecd.org (Downloadseite)
Quelle: OECD, Berlin/Paris – 23. September 2010

































