Übergewicht und Adipositas: Definition und Entstehung

In der Regel wird Übergewicht in Anlehnung an die Definition der Weltgesundheitsorganisation als ein über der Altersund Geschlechtsnorm liegendes Körpergewicht definiert (vgl. Warschburger et al., 2005). In Abgrenzung hierzu wird Adipositas durch einen übermäßigen Anteil der Fettmasse am Körpergewicht mit deutlicher Beeinflussung der Gesundheit und einer psychosozialen Entwicklungsstörung definiert. Eine einfache Methode, Übergewicht festzustellen, ist die Berechnung des Body-Mass-Index (BMI). Der BMI wird errechnet, indem man das Körpergewicht durch die Köpergröße in Metern im Quadrat teilt: kg/m2. Bei Kindern gibt es keine konstanten Richtwerte, da sie sich im Wachstum befinden. Dadurch ergeben sich alters- und entwicklungsabhängige Unterschiede bei Größe, Gewicht und BMI. Es ist noch nicht ausreichend bekannt, in welchem Alter welcher BMI zu Folgeschäden führt. Die derzeit anerkannte Methode, ist die Einstufung des BMI nach den Perzentil-Kurven nach Kromeyer-Hauschild et al. (2001). Danach werden Kinder ab der 90ten Perzentile als übergewichtig eingestuft, ab der 97ten Perzentile als adipös. Oder anders gesagt: die zehn Prozent im Verhältnis zur Körpergröße schwersten Kinder gelten als übergewichtig, die drei Prozent schwersten als adipös. Adipositas wird heute als chronische Gesundheitsstörung verstanden und gilt ebenso wie Magersucht (Anorexie) und Ess-Brech-Sucht (Bulimie) als Essstörung.

Das Ursachengeflecht für Übergewicht ist komplex – selten greifen einfache Erklärungsmuster. Vielmehr sind die Lebensumstände und der Lebensstil insgesamt entscheidend. Nicht das Ernährungs- oder das Bewegungsverhalten sind alleine verantwortlich.

Die Vermutung, dass allein der Verzehr bestimmter Lebensmittel für Übergewicht verantwortlich ist, lässt sich nicht belegen. Ergebnisse verschiedener Studien zeigen, dass das durchschnittliche Ernährungsmuster kaum in Beziehung zum durchschnittlichen Ernährungszustand der Kinder steht. 13,3 Prozent der Kinder mit einem „guten“ und 15,7 Prozent mit einem „schlechten“ Ernährungsmuster sind übergewichtig (Kiel Obesity Prevention Study – KOPS – 1996 bis 2009). Der Unterschied ist gering. Die KOPS-Studie zeigt, dass das altersund größenbezogene Gewicht bei Kindern mit so genannten optimalen, normalen oder ungünstigen Verzehrgewohnheiten
annähernd gleich ist. Auch die genetische Veranlagung kann für die Entwicklung von Übergewicht eine Rolle spielen. In seltenen Fällen tritt Fettsucht als Erbkrankheit auf. Genetik, Ernährung, Bewegungsmangel, sozioökonomische Faktoren sowie Einflüsse in der frühen Kindheit sind also Teil des Ursachengeflechts von Übergewicht und dessen Folgeerkrankungen.

Drei Viertel der Kinder in Deutschland spielen im Alter von drei bis zehn Jahren täglich im Freien. Die „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS, 2006) hat bestätigt, dass die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen in Deutschland körperlich und sportlich aktiv ist. Die KiGGS-Daten zeigen aber auch, dass nicht alle Gruppen Zugang zu sportlichen Angeboten haben und dass die körperliche und motorische Leistungsfähigkeit insgesamt bei Kindern abnimmt. Zudem hat sich die Anzahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen von 1985 bis 1999 um 50 Prozent erhöht und die Zahl der adipösen Kinder und Jugendlichen verdoppelt. Hinzu kommt, dass die übergewichtigen Kinder immer schwerer werden. Besonders besorgniserregend jedoch ist, dass immer mehr Kinder bereits im Grundschulalter übergewichtig sind (KiGGS, 2006). Für die Zunahme des Übergewichts ist vor allem ein veränderter Lebensstil verantwortlich, insbesondere die mangelnde Bewegung in Verbindung mit unausgewogener Ernährung: Das Verhältnis zwischen Energiezufuhr und Energieverbrauch ist aus dem Gleichgewicht geraten. Verschiedene Risikofaktoren, wie z. B. der soziale Status der Familie, übergewichtige Eltern oder ein Migrationshintergrund können laut der Studie die Entstehung von Übergewicht zusätzlich begünstigen.

Der Zusammenhang von Ernährung, Bewegung und Übergewicht
Essen und Trinken sind für uns selbstverständlich und lebenswichtig. Essen und Trinken wirken auf das Wohlbefinden, bereiten Genuss, machen Spaß und sind Teil vieler kultureller und religiös geprägter Anlässe und Rituale. Was schmeckt und was nicht schmeckt, Appetit und Sättigung werden im Kindesalter gelernt und kulturell geprägt (vgl. Pudel/Westenhöfer, 2003). Eltern haben dabei eine wichtige Vorbildfunktion. Kinder, die übergewichtige oder adipöse Eltern haben, sind häufiger von Übergewicht betroffen als andere. Dies ist auch auf die familiären Lebensbedingungen und Verhaltensweisen zurückzuführen (KiGGS, 2006).

Durch Essen und Trinken nimmt der Körper die Energie auf, die er für jegliche Art von Bewegung (Arbeitsumsatz) sowie ohne körperliche Aktivität (Grundumsatz) benötigt. Der Energieverbrauch durch Bewegung hat bei den meisten Menschen abgenommen. Die Energiezufuhr ist im Durchschnitt allerdings unverändert geblieben (vgl. NVS II, 2008). Das liegt zum Beispiel daran, dass weniger körperliche Arbeiten verrichtet werden als früher, die Ernährungsmuster jedoch gleich geblieben sind. Dem Körper wird somit mehr Energie zugeführt, als er verbrennt. Die Folge ist eine gestörte Energiebilanz. Dies trifft auf 36 Prozent der Männer und 31 Prozent der Frauen in Deutschland zu (NVS II, 2008). Die KiGGS- Studie zeigt, dass auch die Zahl der Kinder, die unter Fehlernährung und dadurch entstandene gesundheitliche Beeinträchtigungen leiden, wächst (BMG, BMELV, 23.02.2007).

Quelle & Download: Arbeitshilfe "Regionen mit peb: Gemeinsam für einen gesunden Lebensstil bei Kindern"

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