Rhythmisierung des Schulalltags
Die Umstellung zur Ganztagsschule kommt in Deutschland im Vergleich zu unseren Nachbarländer spät. Auf eine Tradition können wir nicht zurückblicken. Aufgrund der unterschiedlichen Entwicklungen während der Teilung Deutschlands, sind vor allem die alten Bundesländer mit dem Ausbau der Ganztagsangebote hinterher. Ein einheitliches Konzept gibt es nicht, oft werden die Schulen bei der Gestaltung der Ganztagsangebote allein gelassen. In den meisten Fällen entstehen so additive Konzepte, die das Mittagsangebot als Freizeitangebot im Lebensraum Schule ergänzen. Das alte Konzept morgens pauken, nachmittags Hausaufgaben und Spielen bleibt bestehen.
Mit Rhythmisierung des Schulalltags ist jedoch ein komplementäres Schulkonzept gemeint. Die Forderung nach Rhythmisierung – im Sinne eines am „natürlichen Rhythmus des Kindes“ orientierten Schultages – ist nicht übrigens neu. Sie steht in Tradition der Reformpädagogik der 1920er Jahre, die eine kindgerechte, lebensweltorientierte Gestaltung von Schule und Unterricht forderte. Heute spricht die Forschung vorzugsweise von einer veränderten Zeitstruktur des Schultages, statt von einer Rhythmisierung, denn es geht um mehr als um eine Orientierung an altersspezifischen Bio-Rhythmen.
Die zeitliche Struktur des Schultages und der Schulwoche ist mehr eine Frage der Lernorganisation als eines vermeintlich natürlichen Anspannungs-Entspannungs-Rhythmus der Schüler. Die zeitliche Struktur des Schultages und der Schulwoche muss der Lehr-Lern-Struktur folgen – nicht umgekehrt (wobei die Lehr-Lern-Struktur in der Schulanfangsphase natürlich eine andere ist als in der Jahrgangsstufe 4). Denn: Die zeitliche Strukturierung der Bildungs- wie der Freizeitangebote begründet sich in pädagogisch-didaktischen Konzepten des Lehrens und Lernens. Sie ist somit eine Konsequenz und gleichermaßen eine Voraussetzung einer veränderten Lehr-Lernkultur einer Schule. Die zeitliche Struktur des Schultages und der Schulwoche ermöglicht es eine Balance zwischen unterschiedlichen Angeboten, Lehr-Lernformen, zwischen Anstrengung und Entspannung herzustellen. Und vor allem ermöglicht sie es, dem Alter der Kinder und den Anforderungen der Inhalte adäquate – längere oder kürzere – zeitliche Einheiten für Aktivitäten in und außerhalb der Schule zu schaffen.
(Quelle: ganztägig lernen)
Vor über fünf Jahren startete die DKJS „Ideen für mehr! Ganztägig lernen.“ Das momentan einzige Schulentwicklungsprogramm Deutschlands, an dem sich alle Länder und der Bund beteiligen, geht in die Verlängerung bis 2014. Informationen zum Programm finden Sie unter www.ganztaegig-lernen.org.
Eine Ganztagsschule ist erfolgreich, wenn sie sich für die Kinder und Jugendlichen vor Ort zu einem ganztägig geöffneten Haus des Lebens und Lernens entwickelt. Dies zu erreichen hat eine integrativ angelegte Verknüpfung von Unterricht und außerunterrichtlichen Angeboten zur Voraussetzung. Damit stellen sich besondere Herausforderungen an das in Ganztagsschulen tätige Personal. Mit der Einrichtung von Ganztagsschulen müssen also abstimmbare und weitestgehend abgestimmte Qualifikationsprofile für das Personal sowie geeignete Fortbildungsangebote zur Implementierung dieser Qualifikationsprofile zeitgleich entwickelt werden.
Meist werden bisher jedoch additive Angebote durchgeführt, was auch an den sehr ausgeprägten Abgrenzungsbedürfnissen der jeweiligen in Schule, Jugendhilfe und bei anderen Einrichtungen tätigen Personen (z.B. in Sport und Musik) liegt. Die vorhandene Fülle von additiv angelegten Nachmittagsangeboten (z.B. Arbeitsgemeinschaften, muttersprachlicher Unterricht) wird nicht oder nur wenig mit dem Unterricht verknüpft. Dies gilt auch für viele außerunterrichtliche Angebote, die im Rahmen der Öffnung von Schule durchgeführt worden sind.
Das vierjährige Verbundprojekt „Lernen für den GanzTag” hatte das Ziel, Qualifikationsprofile und Fortbildungsbausteine für pädagogische Fachkräfte in Ganztagsschulen zu entwickeln. Die Laufzeit des Projektes endete am 31.08.2008. Auf die Produkte - insbesondere Fortbildungsmaterialien - kann hier zugegriffen werden.
Das Programm Lernen für den Ganztag entstand 2006 unter Beteiligung der Bundesländer Berlin, Brandenburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Zielgruppe des Projekts sind Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Schule und Kinder- und Jugendhilfe und weiteren Professionen und Einrichtungen, die vor Ort Fortbildungsmaßnahmen durchführen.
Zielgruppe des Projekts sind Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Schule und Kinder- und Jugendhilfe und weiteren Professionen und Einrichtungen, die vor Ort Fortbildungsmaßnahmen durchführen. Zielgruppe sind nicht die in den jeweiligen Ganztagsschulen und deren Umfeld fortzubildenden Personen selbst. Konkrete Schulentwicklungsprojekte an einzelnen Schulen und Fortbildungsmaßnahmen mit dem Personal dieser Schulen und ihrer Partner aus der Jugendhilfe im Rahmen des Vorhabens dienen der Entwicklung und Erprobung der Fortbildungsbausteine. Die Umsetzung der Ergebnisse des Vorhabens in konkreten Fortbildungen ist Aufgabe der Länder, ggf. auch der Kommunen und der freien Träger der Jugendhilfe.
(Quelle: Lernen für den Ganztag)
Weiter Informationen finden Sie unter www.ganztag-blk.de.

